Cassandro, the Exotico!

Berlin: 04. April 2019 @ ACUDkino 21 Uhr
Mainz: 08. Juni 2019 @ Kunsthalle Mainz 19 Uhr


In der knalligen, extravaganten Welt der Lucha Libre ist Cassandro der exzentrische Star. Er ist der König der Exóticos, der Geschlechtsgrenzen überschreitenden Cross-Dressing-Ringer, die in diesem von Machos dominierten Sport sowohl ihre Gegner als auch Vorurteile bekämpfen. Trotz seines gegelten Haare, seines Mascaras und seiner perfekt gekräuselten Wimpern ist Cassandro eine Kampfmaschine, ein vielfacher Weltmeister, der seinen Körper an seine Grenzen bringt. Es ist selten, dass man ihn am Ende eines Kampfes nicht mit blutverschmiertem Gesicht, einem verletzten Ellenbogen oder einem gebrochenen Knie sieht! Nach sechsundzwanzig Jahren von Drehungen, Tauchgängen und Kopfschmerzen im Ring ist Cassandros Körper am Ende und sein Selbstvertrauen schwindet als er merkt, dass ihn traumatische Erlebnisse seiner Vergangenheit einholen. Aber er kann einfach nicht lange vom Scheinwerferlicht fern bleiben…

Cassadro ist ein kurioses wie farbenfrohes Porträt einer wilden und charismatischen Figur und ebenso eine durchdachte Dokumentation, die die Abenteuer eines schwulen mexikanischen Wrestlers zeigt. Die Fotografin Diane Arbus sagte  dazu: „Es gibt eine Legende über Freaks. Wie eine Person in einem Märchen, die Sie aufhält und verlangt, dass Sie ein Rätsel beantworten. Die meisten Menschen gehen durchs Leben in panischer Angst vor traumatischen Erfahrungen. Freaks wurden mit ihrem Trauma geboren. Sie haben ihre Prüfung im Leben bereits bestanden. Sie sind Aristokraten. «Cassandro ist ohne Zweifel ein Aristokrat in Arbus’ Sinne; ein Freak, eine “queere Lucha-Libre-Legende”. Die Dokumentarfilm-Macherin Marie Losier bietet dem Publikum einen “Freak, der voller Fantasie ist, voller Bewunderung, Empathie und unbestreitbarer Zärtlichkeit. Cassandro the Exotico ist eine Hommage an all diese Menschen, die es wagen, ihr eigenes Märchen auf eine außergewöhnliche und einzigartige Weise zu leben.

Daniel Sanchez Lopez

Über die Regisseurin

Nach einer Ausbildung zur Akrobatin (Trapez, Schwebebalken, Barren), sowie in zeitgenössischem und Stepptanz, studierte Marie Losier Literatur an der Universität Nanterre und Malerei an der Universität der Feinen Künste in New York. Sie ist Regisseurin zahlreicher Avant Garde-Portraits von Filmemacher*innen, Musiker*innen und Komponist*innen, wie z.B. Alan Vega, Jonas Mekas und Genesis P-Orridge. Diese ersten sehr innovativen und intimen filmischen Werke machte sie während ihrer Freizeit an Wochenenden und ohne finanzielle Unterstützung. Ihr erster Spielfilm The Ballad of Genesis and Lady Jaye machte sie letztendlich einem breiteren Publikum bekannt und hatte 2011 einen Kinostart in Frankreich, den USA, Kanada, Deutschland und Mexiko. Der Film wurde auf mehr als 200 Festivals weltweit gezeigt und gewann zahlreiche Preise. Ihre Filme werde mittlerweile regelmäßig zu den prestigeträchtigsten Festivals (Berlin, Rotterdam, Tribeca, CPH:DOX, Bafici, Cinéma du Réel, Hors Pistes, etc.) und Museen weltweit eingeladen, wie das Tate Modern (London), MOMA (NYC), Centre Pompidou (Paris) oder die French Cinémathèque und Whitney Biennal (NYC). Ihre erste vollständige Retrospektive wurde im November 2018 im MoMa in New York gezeigt.