No Skin Off My Ass

Eröffnung – Außer Konkurrenz

03. April 2019 @ACUDkino 19 Uhr


LaBruce’s bahnbrechender erster Spielfilm ist eine Low-Budget-Produktion in Anlehnung an Robert Altmans That Cold Day in the Park bei der LaBruce in die Rolle des Sandy Dennis schlüpft (ihr könnt euch davon selbst ein Bild machen, wenn wir den Originalfilm dieses Jahr in unserer Altmann-Retrospektive zeigen). LaBruce als Punk-Friseur mit einem Fetisch für Skinheads, trifft im Park auf einen gutaussehenden aber von Sorgen geplagten Skin, den er zu sich nach Hause lockt und auf ein Schaumbad einlädt. Der Film beinhaltet bereits alles, was später das LaBrucianische Muster ausmacht: expliziter Sex und Offbeat Comedy im Zusammenspiel mit radikalem politischen Statement, hier verkörpert durch die Schwester des Skinheads (gespielt von G.B. Jones, Mitgründerin von LaBruces Fanzine J.D.s und ursprüngliches Mitglied der Punk Legende Fifth Column), die einen Film im Film dreht mit dem Titel Girls in the SLA (als Anspielung auf die berüchtigte linke Terrorgruppe Symbionese Liberation Army aus den 1970er Jahren). Gefilmt auf körnigem Super 8 und dann auf 16 mm gezogen mit LaBruces übertrieben emotionalem Voiceover, das die Handlung erzählt, ist No Skin Off My Ass “süßer als Warhol, subtiler als Kuchar und sexuell freizügiger als Van Sant”, so Amy Taubin von The Village Voice.

Über den Regisseur

Bruce LaBruce ist ein international anerkannter Filmemacher, Fotograf, Schriftsteller und Künstler aus Toronto. Neben vielen Kurzfilmen hat er bei neun Spielfilmen Drehbuch geschrieben und Regie geführt, darunter Gerontophilia, der 2013 den Grand Prix beim Festival du Nouveau Cinema in Montreal gewonnen hat, sowie Pierrot Lunaire, der bei der Berlinale 2014 mit dem Teddy Award Special Jury Prize ausgezeichnet wurde. Als Künstler wird er von der Berliner Agentur Peres Projects vertreten und hat weltweit zahlreiche Ausstellungen. Seine letzte Fotoausstellung Obscenity sorgte 2011 für einen nationalen Aufruhr in Spanien. Sein Spielfilm L.A. Zombie wurde unter großem Aufsehen 2010 in Australien verboten, nachdem er auf dem Melbourne International Film Festival laufen sollte. Er hatte später im selben Jahr seine Premiere im Wettbewerb des Locarno Film Festivals (Schweiz). LaBruce hat außerdem drei Theaterstücke für das HAU in Berlin geschrieben und inszeniert, u.a. eine Produktion von Arnold Schoenbergs Avantgarde-Stück Pierrot Lunaire, welches er später adaptierte und zu einem experimentellen Kinofilm machte, in dem Aufnahmen der Theaterproduktion durch zusätzliche, in Berlin gedrehte Szenen ergänzt werden. Er hat weitere Theaterproduktionen z.B. am Theater Neumarkt in Zürich (Schweiz) inszeniert und als Regisseur an dem ambitionierten Projekt X Wohnungen in Johannesburg (Südafrika) des HAU mitgewirkt. Unter dem Titel The Reluctant Pornographer hat LaBruce schon vorzeitig seine Memoiren verfasst; es wurden außerdem zwei Bücher über seine Arbeit herausgegeben: Ride, Queer, Ride, von der Plug-In Gallery in Winnipeg und Bruce(x)ploitation, eine Monografie von seinem italienischen Vertrieb Atlantide Entertainment. LaBruce hat seine Arbeiten, sowohl als Autor als auch als Fotograf, in einer Reihe internationaler Zeitschriften und Internetportale veröffentlicht, darunter index magazine, für die er auch als freier
Redakteur tätig ist, Vice, The National Post, Purple Fashion, The Guardian UK und viele andere. Er schreibt außerdem regelmäßig Kolumnen für Eye, Exclaim! und das Vice Magazine. Darüber hinaus hat LaBruce mehrere Musikvideos gedreht, von denen zwei mit dem MuchMusic Video Award in Kanada prämiert wurden. LaBruce wurde zuletzt mit einer Film Retrospektive sowohl beim TIFF/Bell Lightbox 2014 als auch am Museum of Modern Art in New York 2015 geehrt. Die MoMA- Retrospektive beinhaltet alle neun Langfilme von LaBruce sowie ein Kurzfilmprogramm. Alle diese Filme sind seither Teil der ständigen Filmsammlung des MoMA.

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