Valley of Souls

Der Fluss der kolumbianischen Seelen


Tantas Almas, der erste fiktive Spielfilm des kolumbianischen Regisseurs Nicolás Rincón Gille, ist eine erschütternde Geschichte über eine entrissene und um jeden Preis zurückgeholte Erinnerung – sei es als Illusion. José, ein kolumbianischer Fischer, kehrt nach der Arbeit zurück nach Hause. Er ruft nach seinen drei Kindern, aber nur das Mädchen kommt. Sie ist verängstigt. Die Paramilitärs haben Dionisio und Rafael, ihre Brüder, mitgenommen. Überwältigt von Trauer macht sich José, der sich des Schlimmsten bewusst ist, entlang des Flusses auf die Suche nach ihren Überresten, um ihnen ein Begräbnis zu ermöglichen und den umherirrenden Seelen seiner Kinder Frieden zu geben. Tantas Almas, Gewinner des Etoile d’Or beim Filmfestival von Marrakesch, ist die epische, tragische, einsame, animistische Reise eines Mannes, der ein Stück Kolumbiens symbolisiert und das Leid, das durch die brutalen ethnischen Säuberungen, die im Zuge des Bürgerkrieges zwischen 1998 und 2002 von der populistischen paramilitärischen Organisation ‚Tod und Sauberkeit‘ verbrochen wurden, verursacht wurde. Ein Lied von gedämpftem Schmerz, dessen Lebensader der Fluss Magdalena ist, das Grab unzähliger Körper, die dem Wasser überlassen wurden, und aus dem es verboten ist, die menschlichen Überreste zu fischen. Wer es versucht, muss selbst mit dem Tod rechnen. Tantas Almas wird getragen vom Protagonisten José Arley de Jesús Carvallido Lobo, der die ganze Kraft, Verzweiflung und den Mut in diesem ungleichen Kampf verkörpert, geführt von blinder Liebe, Zufall, Solidarität, Hass, Terror und Resignation. Eine Geschichte, die durch Bilder von großer emotionaler und visueller Reife erzählt wird: ein Schweigen und eine Seele, die uns nie verlässt. Eine Anprangerung der Grausamkeiten des Krieges, der Menschheit, des Schicksals.

Maria Cera

Über den Regisseur

Nach einem Bachelor in Wirtschaftswissenschaften in Bogotá studierte Nicolás Rincón Gille in Belgien an der INSAS. Er arbeitete als Kameramann an einigen Filmen und führte bei drei Kurzfilmen Regie, bevor er sich an sein Trilogie-Projekt Campo Hablado machte, das den reichen mündlichen Traditionen des ländlichen Kolumbien gewidmet ist. Der erste Teil, Those Waiting in the Dark (2007), erhielt den Joris-Ivens-Preis beim Cinéma du Réel, gefolgt vom zweiten Teil, The Embrace of the River (2010), der mit dem Preis Montgolfière d’Or beim Festival des 3 Continents ausgezeichnet wurde. Wounded Night (2015) ist der letzte Teil der Trilogie, die von der internationalen Jury des Cinéma de Réel mit einer Lobenden Erwähnung und 2016 mit dem Preis für den besten Film im kolumbianischen Wettbewerb des FICCI ausgezeichnet wurde. Valley of Souls (Tantas Almas) ist sein erster Spielfilm.